Ernährung des Hundes

Das Barf 1×1 – Artgerecht und gesund!

Ich habe mir ja schon seit geraumer Zeit vorgenommen Shiras Futter umzustellen. Zwar bin ich mit dem derzeitigen Futter recht zufrieden, doch ultimativ ist es nicht. Barf ist da schon eher das, was ich mir für sie vorstelle. Also habe ich mich ausführlich in die ganze Thematik eingearbeitet und bin nun in den letzten Zügen der Vorbereitung.

Als Anfänger ist das Ganze allerdings erst einmal ein wenig beängstigend, denn es gibt zig Bücher, Internetseiten, Foren, Gruppen, etc. zum Thema. Daher habe ich beschlossen hier im Blog zukünftig ein besonderes Augenmerk auf das Barfen zu legen und somit für alle eine verlässliche und leicht erklärte Informationsquelle zu bieten.

Und somit starten wir heute mit dem 1. Teil – Dem Barf 1×1, dass die Grundlage für alles weitere bildet.

Was ist Barf?

Ursprünglich kommt die Abkürzung BARF aus den USA und bedeutet so viel wie „bones and raw food“. Also Knochen und rohes Fleisch, denn das sind die Hauptkomponenten dieses Ernährungsmodels. Hier in Deutschland wird BARF dagegen mit „biologisch artgerechte Rohfütterung“ übersetzt.

Ausgangspunkt für das Barfen ist die Ernährung wildlebender Fleischfresser, welche natürlich Fleisch, Knochen und Innereien zu sich nehmen. Hinzu kommt noch eine kleinere Menge Obst und Gemüse, die den Mageninhalt der Beutetiere nachstellen soll. Somit ist der Hund optimal mit allen Nährstoffen versorgt.

Neu ist die Idee allerdings nicht. Bereits in der Steinzeit war es üblich des Reste der erlegten Tiere den Hunden zu geben, die diese dann natürlich freudig vertilgt haben. Dennoch erlebt das Barfen derzeit wieder einen gewaltigen Aufschwung, denn viele Besitzer möchten selbst bestimmen was in den Napf ihres Lieblings kommt und was nicht.

Hat man das Prinzip verstanden kann man seinem Vierbeiner die tollsten Kreationen zaubern, völlig frei von Geschmacksverstärkern, unerwünschten Zusatz- oder auch Füllstoffen. Und hinzu kommt natürlich auch, dass das ganze sehr gesund für unsere Fellnasen ist.

Der Komplett – Mix Pferd von Barfer’s Wellfood.
(Quelle: www.barfers-wellfood.de)

Wie barfe ich richtig?

Nun habe ich schon viele Menschen getroffen, die mir stolz erzählt haben, sie würden ihren Hund barfen und dieser sei auch super begeistert davon. Auf Nachfrage, was genau denn gefüttert wird kam dann allerdings schon öfter die Aussage, dass immer nur eine Art Fleisch gefüttert wird. Oder tragende Knochen, die ein Hund aufgrund der Härte nicht bekommen sollte.

Noch immer herrscht bei vielen die Meinung barfen bedeutet einfach dem Hund jeden Tag eine Menge X an Fleisch vor die Nase zu schmeißen und fertig. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht und vor allem kann eine falsche Ernährung auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Einige Tierärzte sind deshalb auch alles andere als begeistert von Barf, da häufiger Tiere mit Beschwerden vorgestellt werden, die „gebarft“ wurden.

Bitte bekomme jetzt keine Angst. Das Problem ist an dieser Stelle einfach, dass diese Halter sich nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigt haben. Richtig gemacht wirst du mit barfen sicherlich keine Probleme bekommen. Eher das Gegenteil.

Die Mengenverteilung

Die Menge einer Mahlzeit für einen erwachsenen Hund sollte bei 2-3% seines Körpergewichts liegen. (Natürlich mit Idealgewicht.) Diese Ration wird dann aufgeteilt in 80% Fleisch und Knochen und 20% Obst und Gemüse. Das Ganze wird dann nochmal wie folgt aufgeteilt:

  • 45-50% Muskelfleisch (wichtig für Proteine, Fette, Wasser, Vitamine und Mineralien)
  • 15-20% Blättermagen und Pansen von Wiederkäuern (weitere Vitaminzufuhr)
  • 10-15% RFK also rohe, fleischige Knochen (sind ein natürlicher Mineralienlieferant)
  • 10-15% Innereien (Vitamine, Eisen, Biotin und Kupfer, wobei besonders Leber und Niere Hauptbestandteile sind)
  • 20% Obst und Gemüse (für zusätzliche Vitamine)
  • individuell Supplemente (Minerale und Öle)

Du siehst, so schwer ist das alles gar nicht. Außerdem gibt es auch komplette Fertigmischungen, die schon eine perfekt abgestimmte Mahlzeit enthalten. Die eigenen sich für den Anfang ganz gut, denn du musst lediglich die Menge berechnen, die dein Liebling täglich bekommen soll. Solche Komplettmischungen findest du zum Beispiel bei Barfer’s Wellfood.

Der Komplett – Mix für Senioren von Barfer’s Wellfood. (Quelle: www.barfers-wellfood.de)

Ist Barf für jeden Hund gleich?

Was du aber auf jeden Fall beachten solltest ist, deinen Hund behutsam umzustellen. Sicherlich, ein Hund mit unempfindlichen Magen-Darm-Trakt verträgt womöglich einen abrupten Futterwechsel sogar, doch beispielsweise große Knorpel und Knochenstücke können dem Verdauungstrakt einige Probleme bereiten, wenn nicht ordentlich gekaut wird. Daher empfehlen sich für den Anfang weiche Knochen und Knorpel. Zum Beispiel Entenkarkassen, Hühnerhälse oder Kalbsknorpel um ihn langsam daran zu gewöhnen.

Wie du dir sicher schon denken kannst, sieht die Mahlzeit für jeden Hund anders aus. Denn einer der Vorteile beim Barfen ist es ja, dass das Futter individuell jedem Hund perfekt angepasst werden kann. Was genau dein Vierbeiner nun bekommen sollte, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel dem Alter, dem Gewicht und der körperlichen Belastung. Eine trächtige Hündin hat einen anderen Bedarf, als ein Senior, wie ich bereits im Beitrag zum Thema Übergewicht erklärt habe.

Welpen barfen

Ja, auch schon die ganz Kleinen dürfen rohes Fleisch bekommen. Der Vorteil ist, dass sie sich recht leicht umgewöhnen lassen und dadurch, dass sie sich ja in der Wachstumsphase befinden, kommt ihnen eine ausgewogene Ernährung besonders zu Gute. Ein Welpe hat übrigens einen höheren Energiebedarf als ein erwachsener Hund. Er sollte deshalb täglich eine Menge von 5-7% seines Körpergewichts erhalten.

Barf für die Erwachsenen

Wie bereits erwähnt, bekommen ausgewachsene Hunde 2-3% ihres Körpergewichts verfüttert. Bei besonders hoher körperlicher Aktivität kann dazu noch zusätzliches Fett als Energielieferant gefüttert werden. Allerdings sollte darauf verzichtet werden pure Knochen zu füttern, denn besonders bei zu großen Mengen fördert das Knochenkot.

Barf für den Senior

Auch die Senioren sollten 2-3% ihres Körpergewichts als Futtermenge erhalten, wobei zu beachten ist, dass sie mit steigendem Alter oft einen geringeren Energiebedarf haben. Das liegt daran, dass altersbedingte Probleme auftreten. Zum Beispiel ist der Bewegungsapparat nicht mehr so gut in Schuss wie früher, weshalb die Couch dann doch den endlos langen Wanderungen vorgezogen wird. Und auch die Zähne sollte man im Blick haben, denn die werden bei den Senioren oft etwas empfindlich, sodass man lieber auf weichere Knochen zurückgreifen sollte.

Wie bereite ich Barf vor?

Dabei gibt es einige Varianten aber was du auf jeden Fall brauchst ist einen ausreichend großen Gefrierschrank oder vielleicht sogar eine Gefriertruhe. Haben ist ja bekanntlich besser, als brauchen. Denn natürlich musst du das ganze gefrorene Fleisch ja auch irgendwo aufbewahren. Wenn man gleich ein bisschen mehr bestellt, um unter anderem Versandkosten zu sparen, wird es sonst schon mal eng.

Je nachdem ob du fertige Mahlzeiten kaufst oder einfach nur die einzelnen Komponenten im Stück, musst du das Ganze nach Ankunft dosieren. Die Fertigmischungen schneidest du am besten leicht angetaut in passende Stücke und kannst sie dann in einer Tupperdose wieder einfrieren.

Auch wenn du ganze Fleischblöcke nimmst, mit der du dann anschließend eigene Mahlzeiten zusammenstellen willst, schneidest du die am besten leicht angetaut. Wichtig ist mir an dieser Stelle aber zu erwähnen, dass du beim portionieren nicht auf das Gramm genau abwiegen musst. Wenn du am Ende des Monats von jeder Komponente (also z.B. Herz, Muskelfleisch, Niere, etc) die insgesamt geplante Menge verfüttert hast, ist das vollkommen in Ordnung.

Wir setzen uns ja auch nicht hin und berechnen erst einmal exakt wie viel Gramm Kartoffeln und Fleisch wir brauchen, schneiden es dann exakt zu und essen dann auch nur genau diese vorbereitete Menge.

Es ist wichtig, dass du auf eine vernünftige Nährstoffversorgung achtest, ja. Aber es ist nicht der Sinn vom Barfen, dass du in deiner Küche sitzt und akribisch die gefrorenen Fleischbatzen in ganz genau abgewogene Stücke schnippelst, als würde dein Leben davon abhängen.

Haltbarkeit

Die eingefrorenen Mahlzeiten kannst du bedenkenlos eine ganze Weile im Tiefkühler lagern. So wie normales Fleisch eben auch. Für aufgetaute Ware gilt, dass sie innerhalb von 2-3 Tagen aufgebraucht werden sollte. Achte dabei immer auf den Geruch und das aussehen. Riecht es verdorben oder ist das Paket aufgequollen, solltest du es definitiv nicht mehr verfüttern.

Ist barfen teuer?

Ich sage es mal so. Mit dem 10€ Hundefuttersack aus dem Discounter kommst du preislich beim barfen nicht mit. Diese Preise sind schlicht und einfach unschlagbar ABER das liegt daran, dass hauptsächlich minderwertige Produkte darin verarbeitet werden. Dazu schreibe ich aber zu nächster Woche nochmal einen genauen Beitrag. Füttert man sonst aber wirklich hochwertiges Fertigfutter, so ist barfen oft sogar günstiger.

Weit verbreitete Missverständnisse

  1. Barfen macht Hunde aggressiv.
    Nein. Einfach nein. Auch, wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält und manche sogar der Meinung sind durch das Blut im Fleisch bekommen die Hunde erst so richtigen „Blutdurst“ und wollen töten oder verletzen. Ein ausgewogen ernährter Hund ist glücklicher und entspannter. Demnach ist sogar das Gegenteil von diesem Gerücht der Fall.
  2. Durch rohes Fleisch werden Hunde krank oder bekommen Parasiten.
    Ja, dadurch das das Futter nicht durch hohe Temperaturen beinahe steril gemacht wurde, sind durchaus einige Keime enthalten. Allerdings wird der Hund durch eine geringe Belastung seines Immunsystems sogar gefördert und das Tier ist weniger anfällig für Erkrankungen. Hinzu kommt, dass für das Fleisch das wir verfüttern genau die gleichen Hygienebestimmungen gelten, wie für unser Fleisch das wir verzehren. Also nichts mit Parasiten.
  3. Barfen ist kompliziert und eine Wissenschaft für sich.
    Nun ja, es ist sicherlich leichter mal fix in den Laden zu huschen und einen Sack Futter ins Auto zu laden. Wirklich kompliziert ist das Ganze aber nicht. Es gibt inzwischen im Internet auch schon Rechner, die dir ganz genau errechnen von was du wie viel verfüttern musst und auch Fertigmischungen gibt es. Wer ehrliches Interesse daran hat für seinen Hund sogar selbst eine Menü zusammenzustellen, für den ist das alles auch nicht viel schwerer als Mittag zu kochen.

Soweit erst einmal zu den Grundlagen. Ich hoffe du hast alles gut verstanden und wenn nicht hinterlasse mir auch gern einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail an titissprechstunde@web.de.

In den nächsten Wochen werde ich unter der Kategorie „Ernährung“ alles zusammentragen, was für einen Barfer wichtig ist. Von den einzelnen Fleischarten, bis zu Supplemente, Rezepten und auch Erkrankungen. Schau also regelmäßig vorbei.

2 Kommentare

  • Isabella

    Ich finde es klasse, dass Du für Dich und Shira das Barfen entdeckt hast – und Dich augenscheinlich auch sehr intensiv damit befasst hast. Ein schöner Beitrag ist so entstanden.
    Ich muss gestehen, ich tue mir schon immer schwer mit einer bestimmten Fütterungsmethode – was aber wohl auch daran liegt, dass ich in den letzten 20 Jahren viele Trends habe kommen und gehen sehen. Ich halte es da wie eine liebe Freundin – die schon sehr lange Hundeernährungsberaterin ist – wir füttern alles 😉 Allerdings hatten wir auch schon die unterschiedlichsten Hunde und mit Ihnen teilweise auch völlig unterschiedliche Bedürfnisse und auch Verträglichkeiten. Daher finde ich es besonders wichtig die Ernährung auf den Hund abzustimmen. Cara und Shadow füttern wir sehr gemischt genau wie vorher auch Damon (mit Gekochtem, Rohem und auch allem anderen), Laika hat Fleisch ganz schlecht vertragen (sie bekam viel Kohlenhydrate und Milchprodukte), Lady hat wirklich alles gefuttert (besonders gerne Obst und Gemüse) und bei Dingo hatten wir keine große Auswahl (damals gab es nur wenige Sorten Futter und dass wurde dann mit Fleisch vom Schlachthof ergänzt).

    Ich freue mich, dass ihr einen guten Weg für euch gefunden habt und bin gespannt auf den nächsten Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    • Alena Becker

      Vielen Dank erst einmal für dein liebes Feedback. Es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. Natürlich sollte man die Ernährung für jeden Hund individuell anpassen, da stimme ich dir vollkommen zu. Mir ist es auch wichtig, dass niemand den Eindruck bekommt ich würde zu den Fanatikern gehören, die alles außer Barf verteufeln. Für jeden sollte es so sein, dass Hund und Halter gut damit zurecht kommen. 🙂
      Liebe Grüße an euch. 🙂

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