Demenz bei Hunden
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Demenz bei Hunden – Was nun?

Foto: Sunny Shiva Schütze – Sammy und Shiva

Wie bei den Depressionen auch, sind unsere lieben Vierbeiner nicht vor Demenz gefeit. Aber was bedeutet das für Hund und Mensch? Wie muss man sich dann verhalten und wie kann man helfen? All diese Fragen wollen wir heute klären.

Was ist Demenz und wie entsteht sie?

Wenn jemand dement wird bzw ist, dann bedeutet das sowohl für Tiere, als auch für Menschen, dass dieser jemand zunehmend vergesslich wird. Dazu kommt es meist im fortgeschrittenen Alter und ist zurückzuführen auf das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Besonders von denen, die für Orientierung, das Bewusstsein und Gedächtnis, sowie für’s Lernen zuständig sind.

Es handelt sich dabei nicht um eine normale Alterserscheinung. Beim Hund wird Demenz auch CDS genannt, was Kognitives Dysfunktionssyndrom bedeutet. Besonders auffällig sind dabei die Änderungen im Verhalten der Tiere, wie plötzliche Angst oder Aggressionen. Manche Hunde verlaufen sich auf einmal in der alt bekannten Wohnung, vergessen wozu ihr sonst heiß geliebtes Spielzeug gut ist oder finden ihre Futterschale nicht mehr.

Doch warum sterben die Nervenzellen nun ab? Bei CDS funktionieren bestimmte Eiweiße nicht, die die Leitungen zu den Zellen, sogenannte Axone, und die Zellen selbst von Ablagerungen freihalten sollen. Denn nur wenn diese sauber bleiben können die aneinander liegenden Flächen Informationen austauschen und ihre Arbeit verrichten. Da die Eiweiße allerdings nicht funktionieren lagern sich Abfallstoffe um die Axone und die Nervenzellen an und mauern sie sozusagen ein. Wichtige Nährstoffe können nicht mehr geliefert werden, Abfallprodukte nicht mehr fortgeschafft und auch die Kommunikation mit anderen Zellen ist nicht mehr möglich. So stirbt die Nervenzelle schließlich ab.

Foto: Sina Beitz – Knut

Wie äußert sich Demenz?

Wie beim Menschen bricht Demenz bei Hunden erst im höheren Alter aus. Je nach Rasse ist das natürlich variabel, doch konkrete Hinweise, dass bestimmte Rassen besonders häufig erkranken, gibt es nicht. Umso aufmerksam sollte man darum als Halter sein, um die Krankheit gegebenenfalls wirklich zu erkennen. Aber wie? Immerhin können sie ja nicht mit uns sprechen?

Um herauszufinden, ob unser Hund an Demenz leidet, müssen wir darum sein Verhalten ganz genau beobachten. Im folgenden haben wir einmal ein paar Verhaltensweisen zusammen gesammelt, die ein Hinweis auf Demenz sein können:

  • Das Tier zeigt plötzlich Angst oder Aggressionen ohne sichtbare Ursache.
  • Vertraute Gegenstände und Personen werden nicht mehr erkannt.
  • Dinge, wie Futterschale oder Türen werden nicht mehr gefunden.
  • Der Hund steht vor dem Napf und schaut unbeholfen hinein.
  • Knurren oder bellen gegenüber bekannten Dingen oder Personen.
  • Plötzlich schlechtes reagieren auf Kommandos.
  • Der Hund bleibt plötzlich stehen, als hätte er vergessen, wo er hingehen will.
  • Auftretende Gefühlsschwankungen bis hin zu vermehrter Reizbarkeit.
  • Wege zu bekannten Dingen oder Orten werden nicht mehr gefunden.
  • Vertraute Aktivitäten und Handlungen werden nicht mehr ausgeführt, da sie vergessen werden.
  • Der Hund ist auf einmal völlig auf seinen Halter fixiert und lässt ihn nicht mehr allein.
  • Allein bleiben ist auf einmal nicht mehr möglich.

Wenn du bei deinem Hund solches Verhalten zunehmend häufig beobachtest, solltest du dir auf jeden Fall Gedanken machen und deinen Liebling einen Tierarzt vorstellen.

Foto: Patricia Veronika Koskamp – Bellabell

Was kann man tun?

Wenn es wirklich an dem sein sollte, dass ein Hund an Demenz erkrankt ist, dann sollte man sich als Halter auf eine anstrengende Zeit einstellen. Denn mit dementen Hunden ist es so, dass sie zwar körperlich alt sind aber vom Kopf her eher wie ein Welpe. Ein tüdeligen aber aktiven Hund, der viel Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen aber auch viel Liebe zurückgeben wird.

Noch dazu macht das viele Vergessen den Alltag um einiges schwieriger. So muss man sie nun vielleicht ans Essen erinnern oder ihnen helfen die Tür zu finden. Ihnen Sachen immer wieder neu erklären und geduldig sein. Auch sollte man Dinge nun nicht mehr umstellen, denn das ist für sie ziemlich schwer bis gar nicht mehr zu behalten. Denn wie gesagt, es sind unter anderem vor allem auch die Nervenzellen für Orientierung und Lernen betroffen. Altbekannte, feste Gewohnheiten und Rituale sollten unbedingt beibehalten werden, denn die Chance besteht, dass der Hund sich daran ab und an doch erinnern kann.

So muss man sich im Allgemeinen darauf einstellen seinen Freund an vieles erinnern zu müssen und mit ihm vor allem viel Nachsicht zu haben. Denn unter Umständen kann es in dieser Zeit auch dazu kommen, dass häufiger Mal etwas in die Wohnung geht. Die emotionale Ebene spielt bei Demenz dabei eine ganz entscheidende Rolle, wie auch bei Menschen mit dieser Erkrankung. Liebe und Zuneigung sind für demente Hunde ungemein wichtig, denn es ist ohnehin schon alles sehr sehr schwierig für sie. Aber die Zuwendung ihres Besitzers gibt ihnen Halt und Kraft.

Denn ein großes Problem bei dieser Erkrankung ist der recht häufige Kontrollverlust, der dem Vierbeiner große Angst machen kann. Aus diesem Grund werden die Fellnasen immer anhänglicher, denn bei Herrchen / Frauchen fühlen sie sich sicher und beschützt. Noch dazu sollten solche Tiere ständig unter Aufsicht sein. Immerhin können sie sich verletzen, wenn sie zum Beispiel gegen Wände laufen. Und auch draußen dürfen sie nicht mehr allein herum laufen, denn es lauern zu viele Gefahren. Selbst Steine werden zu Stolperstellen und das Verletzungsrisiko steigt enorm.

Foto: Anett Schwalbe – Strolchi und Nala

Wo sind die Grenzen?

Auch, wenn man sich wirklich alle Mühe gibt dem geliebten Vierbeiner sein Leben so angenehm wie möglich zu machen, gibt es Grenzen. Doch wann ist diese erreicht? Demenz ist nicht heilbar. Wann wird es Zeit sich zu verabschieden?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und doch liegt es in unserer Verantwortung als Halter zu entscheiden, wann es Zeit ist unseren felligen Freund zu erlösen. Nämlich dann, wenn der Fellnase durch die Erkrankung jegliche Lebensqualität verloren geht. Wenn er absolut rein gar nichts mehr allein kann, sich womöglich ständig verletzt oder sichtbar unter der Situation leidet. Körperlich als auch mental.

Man stelle sich an dieser Stelle mal einen dementen Diensthund vor. Einen, der sein Leben lang fleißig und gewissenhaft seine Arbeit verrichtet hat und mit viel Freude dabei war. Plötzlich vergisst er alles, kommt nicht mehr zurecht und vegetiert regelrecht dahin. Ähnlich wie beim Menschen haben demente Hunde auch immer wieder Lichtblicke, bei denen sie sich an ihr früheres Leben erinnern können. Was glaubst du wie frustriert und unendlich traurig er sein muss, wenn er all das auf einmal nicht mehr kann? Wenn aus dem taffen Wachhund ein unbeholfener, ängstlicher Hund geworden ist?

Sicherlich ist die Denkweise daran etwas anders, als die von uns aber die Frage ist doch: Würden wir so leben wollen? Können wir unseren besten Freund guten Gewissen noch in seinem Zustand weitermachen lassen oder wäre es für ihn besser gehen zu dürfen?

Das muss jeder Besitzer individuell und der Situation angepasst entscheiden. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Wichtig ist in solchen Momenten nur das wir im Sinne unseres Lieblings handeln. Und nicht nach unseren Hoffungen und Wünschen.

Foto: Marion Bausch – Peddy und Louis

Einen ganz herzlichen Dank an Sina, Patricia, Sunny, Anett und Marion, die mir ihre wunderschönen Bilder für die Gestaltung zur Verfügung gestellt haben.

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