Der Dalmatiner - Rasseportrait
Rassenlexikon

Der Dalmatiner – Rasseportrait

(Bild: Laura Gretchen – Monty vom Calverbühl)

Sicher kennst du die Geschichte der 101 Dalmatiner, die ihren hübschen Pelz an die böse Cruella verlieren sollen. Ein echter Klassiker, der Groß und Klein begeistert. Aber was steckt hinter diesen schick getupften Fellnasen? Im Rasseportrait gehen wir darauf einmal genauer ein.

Das Aussehen

Viele erkennen ihn wohl sofort aber das ist auch nicht verwunderlich. Der Dalmatiner ist mit seinem weißen Fell, welches mit hellbraunen bis schwarzen Tupfen übersäht ist, ein echter Hingucker und leicht zu erkennen.

Der FCI ordnet ihn in die Gruppe der Lauf- und Schweißhunde, sowie verwandte Rassen ein. Das sieht man diesen flotten Vierbeinern aber auch an. Ihr schlanker, kräftiger und wohlproportionierter Körper erweckt direkt den Eindruck eines schnellen und lauffreudigen Hundes. 

Ebenfalls typisch für den Dalmatiner sind seine Schlappohren und die dünne, sichelförmige Rute. Wusstest du übrigens, dass größere Flecken auch als Platten bezeichnet werden und solche Tiere nicht für die Zucht verwendet werden sollten laut Rassestandard?

Diese Platten sieht man bereits direkt nach der Geburt, wogegen andere Dalmatiner, die lediglich über diese kleinen Tupfen verfügen, zur Geburt schneeweiß sind und erst ab dem 10. – 14. Tag ihre Flecken bekommen. 

Im Schnitt erreichen die Hündinnen dieser Rasse eine Größe von etwa 54cm – 60cm und ein Gewicht von 24kg – 29kg, während die Rüden bei 56cm – 62cm und 27kg – 32kg liegen.

Bild: Angela Spanou – Blue

Das Wesen der Dalmatiner

Dalmatiner sind in der Regel und bei vernünftiger Haltung sehr freundliche Hunde, die gern auch mal die Rolle des lebhaften und bewegungsfreudigen Familienhundes übernehmen, denn noch dazu sind recht anpassungsfähig. 

Außerdem sind diese hübschen Tierchen ziemlich sensibel, weshalb man sie als Halter zwar konsequent aber trotzdem liebevoll und mit viel Lob erziehen sollte.

Da sie, wie bereits erwähnt, sehr bewegungsfreudig sind, ist es wichtig, sie entsprechend auszulasten. Aber wen wundert das schon? Schließlich wurde diese Rasse mit dem Augenmerk auf gute Ausdauer gezüchtet.

Um also einen ausgeglichenen und zufriedenen Freund an seiner Seite zu haben, sollte man sich genügend Zeit für die Beschäftigung nehmen. Immerhin möchte man ja keine Verhaltensstörungen heranziehen. 

Wichtig ist aber auch Kopfarbeit. Kleine Denkaufgaben, Tricks oder bestimmte Sportarten sind für den Dalmatiner eine super Sache. Agility oder Obedience zum Beispiel. Aber auch Suchspiele sind bestens geeignet. Wie wäre es auch mit Dummytraining?

In der Rubrik Hundesport erkläre ich dir in Kürze, worum es sich bei den genannten Sportarten handelt.

Wie steht’s mit der Gesundheit?

Wie bei jedem Hund kann man Glück oder Pech haben. Manche müssen lediglich zum Impfen oder zum regelmäßigen Gesundheitscheck zum Tierarzt und andere haben das schwere Los gezogen und sind Stammgast beim Doktor. Quasi wie bei uns Menschen auch. Aber kann man da vorbeugen und was sind typische Krankheiten?

Ein super Tipp, der gleichzeitig aber auch eigentlich logisch ist, lautet: Kaufe deinen Hund von einem seriösen Züchter. Diese achten nämlich bei den Verpaarungen ganz genau auf den gesundheitlichen Zustand von Eltern, Großeltern und auch Uroma und Uropa werden auf ihre Zuchttauglichkeit überprüft.

Ich möchte damit um Gottes Willen nicht sagen, dass jeder Hund, der nicht vom Züchter kommt, automatisch krank wird. Es kann gut gehen, kann aber auch nicht und auch ein Dalmatiner vom Züchter kann ein Stammgast beim Tierarzt werden oder aber auch nicht. Du minimierst so lediglich das Risiko ein Tier mit gesundheitlichen Problemen zu bekommen.

Ansonsten kann man das Wohlbefinden noch mit gutem Futter und einem gesunden Maß an Bewegung fördern. Aber auch hier gilt, eine Garantie ist das leider nicht.

Was sind nun typische Erkrankungen?

Gleich vorne weg: Es handelt sich hierbei lediglich um rassetypische Krankheiten, die beim Dalmatiner eben häufiger vorkommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch jeder getupfte Hund unter den folgenden Erkrankungen leiden.

  1. Taubheit: Die erblich bedingte Taubheit ist ja bei vielen Tieren mit hohem Weißanteil im Fell eine Problematik. Was genau der Auslöser dafür ist, konnte bisher aber noch nicht herausgefunden werden, sodass ein Gentest noch nicht möglich ist. Um das Risiko allerdings zu minimieren, sollen lediglich Hunde mit voller Hörfunktion zur Zucht eingesetzt werden. Um festzustellen, wie gut die Dalmatiner hören können, wird von seriösen Züchtern der AEP-Test (Hörtest) durchgeführt.

  2.  Bronze-Syndrom: Hierbei handelt es sich um eine bronzefarbene Verfärbung entlang des Rückens, sowie der Kopfoberseite. Durch entzündete Haarbälge und bakterielle Reaktionen auf besagte Entzündung, weitet sich das Ganze dann aus und führt häufig zu lokalem Haarausfall. Die Farbe entsteht dabei durch das Sekret, welches durch den Entzündungsprozess abgesondert wird und verschwindet meist erst, wenn sich das Fell erneuert. Manchmal wird das Ganze zusätzlich noch von Juckreiz begleitet. Dieses Bronze-Syndrom tritt allerdings nicht nur bei Dalmatinern, sondern auch bei anderen Rassen auf.

  3. Allergien: Leider wird den hübschen Hunden auch eine Anfälligkeit für Allergien und Hautproblemen zugeschrieben. Anzeichen dafür wären zum Beispiel Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Haarausfall. Futtermittelallergien beispielsweise lassen sich aber durch eine Ernährungsumstellung aber gut in den Griff kriegen. 

  4. Hyperurikosurie (HUU) / Hyperurikämie: Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen Defekt im Purinstoffwechsel, welcher für die Regulierung der Harnsäure verantwortlich ist. Dadurch wird bei der HUU zu viel Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden und bei der Hyperurikämie zu wenig, sodass der Harnsäurespiegel im Blut deutlich erhöht ist. An dieser Stelle ist eine purinarme Ernährung sehr wichtig, denn durch den hohen Harnsäuregehalt können sich Kristalle in der Blase bilden, welche dann später zu Harnsteinen werden. Die müssten dann durch einen Tierarzt entfernt werden.

  5. Dalmatiner-Leukodystrophie: In diesem Fall handelt es sich um eine Störung des Zentralen Nervensystems, die wirklich nur beim Dalmatiner vorkommt. Dabei werden Zellen des Gehirns, sowie das Rückenmark zwar langsam aber dauerhaft und unwiederbringlich zerstört. Dadurch kommt es dann Koordinations- und Bewegungsschwierigkeiten, die zwar für den Vierbeiner zwar nicht all zu schmerzhaft sind, doch heilen kann man die Erkrankung nicht. Zum Glück kommt diese Krankheit aber eher selten vor. 

  6. Epilepsie: Ein Thema bei leider vielen Rassen. Besonders durch die Erbbarkeit dieser Erkrankung und die fehlende Möglichkeit eines Gentests ist sie ein echtes Problem. Die Krampfanfälle, die die Hunde hierbei erleiden, können ganz plötzlich auftreten und bergen unter anderem ein hohes Verletzungsrisiko. Hier muss der Halter dann wirklich gut aufpassen. Allerdings kann das Ganze gut mit Medikamenten therapiert werden, sodass die Anfälle gemildert oder sogar ganz unterdrückt werden. 

  7. Hüftgelenksdysplasie (HD): Das ist wohl eine der bekanntesten Erkrankungen, die unter anderem auch beim Schäferhund und eigentlich fast allen großen bis mittelgroßen Hunderassen vorkommt. Diese Fehlentwicklung des Hüftgelenks führt für die Fellnase zu Schmerzen, welche durch mangelnden Halt des Oberschenkelkopfes in der Gelenkpfanne ausgelöst wird. Das verursacht nämlich eine Reizung der Nervenfasern. Dadurch sind betroffene Hunde weniger bewegungsfreudig und liegen lieber ruhig, als die Hüfte in irgendeiner Art und Weise zu belasten. 

Ich möchte dir hiermit wirklich keine Angst machen. Wie gesagt, es kann sein, muss aber nicht und durch den Kauf eines Hundes beim seriösen Züchter minimierst du das Risiko ungemein.

Trotzdem solltest du wissen, was durchaus auf dich zukommen könnte, sodass du dir genau überlegen kannst, ob du damit zurecht kommen würdest oder eben nicht. 

Denn wem bringt es etwas, wenn du dann dort stehst und dir denkst „Hätte ich das mal vorher gewusst!“?

Interessantes über den Dalmatiner

Der Dalmatiner ist eine sehr alte Rasse, weshalb sie mich persönlich doch sehr fasziniert. Bereits auf der Grabplatte von Pharao Antef, welcher ca. 2000 v. Chr. lebte, wurde die Abbildung eines getüpfelten Hundes gefunden. Wahnsinn, oder?

Wandzeichnungen auf den Gräbern von Beni Hassan, ca. 2000 Jahre v. Chr. (aus: B. Hayek, Deutschlands Dalmatinergeschichte)

Häufig wurde der Dalmatiner zusammen mit Pferden oder Streitwägen abgebildet und auch später, im 17 Jahrhundert, war er sehr beliebt. Der Adel nutzte ihn aufgrund seiner hohen Ausdauer und Wachsamkeit als Kutschenbegleithund. Dort war es seine Aufgabe die Pferde, die Kutsche selbst, wie auch die Güter zu bewachen, vor Gefahren zu warnen und unliebsame Besucher fernzuhalten. 

Dalmatiner als Kutschbegleithunde etwa 1902 (Quelle: www.dalmatinerseite.de)

Abgesehen von seiner Aufgabe als Begleithund war er aufgrund seiner schönen Optik auch als Liebhabertier und Statussymbol in höheren Kreisen gefragt. Teilweise setzte man ihn auch als Jagdhund ein und auch der Vatikan fand am ausdauernden Dalmatiner gefallen, sodass er eine Zeit lang sogar das Wappen des Pontifex zierte. 

Doch auch als Mitglied der Feuerwehr ist diese Rasse bekannt. Die Hunde liefen während einem Einsatz neben den Löschfahrzeugen her und machten durch ihr lautes Bellen den Weg frei. Anschließend schliefen sie dann mit den Pferden im Stall, bis sie zum nächsten Feuer gerufen wurden. Noch heute ist er vor allem in den USA ein beliebter Freund der Feuerwehrmänner.

Dalmatiner Galerie

Einen ganz herzlichen Dank an alle, die mir ihre wunderschönen Hunde zur Verfügung gestellt haben!

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