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Übergewicht beim Hund – Alles was du wissen musst!

Ist dir schon mal ein Hund entgegen gekommen, mehr breit als lang? Der so richtig Speck auf den Rippen hatte und irgendwie beim nachmittäglichen Spaziergang nicht ganz so begeistert geschaut hat? In den letzten Jahren bin ich häufig umgezogen und wenn ich eines sehr oft gesehen habe, dann waren es übergewichtige Hunde. Wusstest du, dass fast jeder 2. Hund hier in Deutschland zu viel wiegt? Dabei beeinträchtigt Übergewicht das Leben unserer Vierbeiner massiv und kann zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen.

Darum habe ich dir im heutigen Artikel einmal alles zusammengefasst, was du wissen solltest um Übergewicht zu vermeiden oder auch wieder weg zu bekommen. Natürlich auf schonende Art und Weise.

Woran erkenne ich, ob mein Hund übergewichtig ist?

Dazu gibt es mehrere Methoden, die sich am besten anwenden lassen bei Hunden mit kurzem Fell. Alternativ kannst du deinen Liebling auch nach dem Baden mit nassem Fell ansehen. Das ist besonders bei Hunden mit ordentlich Pelz ziemlich hilfreich.

Zunächst einmal streichelst du über die Rippen deines Hundes. Dabei sollten diese leicht mit den Fingern spürbar sein. Nicht herausstehen aber eben auch nicht unter einer Speckschicht versteckt. Des weiteren siehst du dir deinen Hund von oben an. Ist eine Taille erkennbar? Oder zieht sich die Linie vom Brustkorb zur Hüfte gerade durch? Wenn keine Taille zusehen ist, ist dein Hund zu dick.

Zuletzt siehst du deine Fellnase von der Seite an. Wie gesagt, bei Hunden mit dickem Fell ist das etwas schwieriger. Hinter dem Brustkorb sollte die Bauchlinie nach oben verlaufen. So wie auf dem Bild von Shira hier. Verläuft die Linie gerade oder sogar nach unten muss dein Liebling eindeutig ein paar Pfunde loswerden.

Die Bauchlinie hinter dem Brustkorb verläuft nach oben gewölbt.

Zusätzlich ist es auch empfehlenswert regelmäßig zu wiegen, um Gewichtsveränderungen schnell zu bemerken. Denn Übergewicht kommt schleichend, oft fällt es den Besitzern zunächst gar nicht auf, da sie ihren Hund eben jeden Tag sehen. Wenn du dir unsicher bist kannst du außerdem schauen ob du Bilder von Hunden der gleichen Rasse findest. (Natürlich mit Idealgewicht.) Diese kannst du dann mit deinem Vierbeiner vergleichen.

Ursachen für Übergewicht

Das Futter

Eine der Hauptursachen von Übergewicht ist, dass es keinen Ausgleich zwischen Energiezufuhr und Energiebedarf gibt. Nehmen wir ein Beispiel: Wir haben einen alten Hund daheim, der altersbedingt auch nicht mehr allzu sportlich ist. Er trottet lieber seine paar Runden und ist dann glücklich im Körbchen. Diesem Hund können wir nicht die gleiche Menge Futter geben, wie einem Hund der im Sport regelmäßig geführt wird. Auch nicht, wenn sie das gleiche Gewicht haben.

Daher sind die Futterempfehlungen auf der Verpackung immer mit Vorsicht zu genießen, denn man kann sowas einfach nicht verallgemeinern. Anderes Beispiel: Eine trächtige oder auch säugende Hündin hat einen viel höheren Energiebedarf, als eine normale Hündin auch wenn sie das gleiche wiegen. Es ist also mehr als ratsam einmal den Energiebedarf des Hundes zu errechnen und dementsprechend sein Futter anzupassen. Andernfalls hilft auch das beste Futter nämlich nichts, wenn es einfach zu viel ist.

Gerade bei minderwertigem Trockenfutter ist das teilweise wirklich problematisch. In solchem Futter sind viele Kohlenhydrate enthalten, die allein schon notwendig sind, um die Futterbrocken zusammen zu halten. Nun sind Kohlenhydrate hervorragende Energielieferanten und noch dazu billig. Das Resultat? In bereits geringen Mengen Trockenfutter ist schon jede Menge Power nur welcher Hund wird davon satt? Und seien wir mal ehrlich, uns als Hundebesitzer tut es auch in der Seele leid, wenn das geliebte Haustier traurig vor dem Napf sitzt. Es muss also eine Lösung her aber dazu gleich mehr.

Erkrankungen

Natürlich kann es auch sein, dass dein Hund aufgrund einer Erkrankung zunimmt. Dazu zählen zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen, Gelenkprobleme und damit verbundene Immobilität, Unverträglichkeiten, etc. In solchen Fällen ist es ratsam je nach Erkrankung das Futter gemeinsam mit deinem Tierarzt abzustimmen. Eigenregie kann hier zu noch größeren Problemen führen. Schaut gemeinsam welches Futter dein Hund verträgt und passt es dann dem Idealgewicht deines Lieblings an. Wichtig ist aber unbedingt darauf zu achten, dass trotzdem alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine gefüttert werden.

Ein kleiner Exkurs: Sind Kohlenhydrate wirklich so schlecht?

Als ich angefangen habe mich über gesunde Ernährung für den Hund zu informieren, stieß ich immer wieder darauf, dass Kohlenhydrate im Hundefutter wohl absolut schlecht seien. Das ist als Laie erst einmal ziemlich abschreckend. Dabei sind Kohlenhydrate gar nicht so schlecht, wie ihr Ruf erahnen lässt.

Wie bereits erwähnt sind Kohlenhydrate hervorragende Energielieferanten und daher gar nicht so schlecht für Futter. Man unterteilt in Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker, wobei zu den Mehrfachzuckern Stärke gehört. Es gilt allerdings zu beachten, dass in Getreide enthaltene Kohlenhydrate zunächst für unsere Vierbeiner gar nicht verwertbar sind. Sie müssen daher also erst einmal verarbeitet werden, um einen Stärkeaufschluss zu erreichen. Eine Methode hierbei ist kochen.

Gute Kohlenhydratquellen sind beispielsweise Kartoffeln, Reis und Nudeln, Buchweizen, Haferflocken, Quinoa, Hirse, usw. Doch woher kommt nun der schlechte Ruf? Das Problem sind die Hersteller von billigem und minderwertigem Trockenfutter.

Aus Kostengründen sind darin nämlich viel zu viele Kohlenhydrate und andere Nährstoffe kommen dafür zu kurz, die aber sehr wichtig sind. Nicht gerade optimal für eine ausgewogene Ernährung.

Folgen von Übergewicht

Mal abgesehen davon, dass dein Hund die Lust an Bewegung verliert und jeder Schritt mit zunehmendem Gewicht schwerer fällt, bringt Übergewicht auch eine ganze Menge gesundheitlicher Risiken mit sich. Im Folgenden findest du eine Liste von Problemen, die durch ein zu hohes Gewicht begünstigt werden:

  • Herz-Kreislauf-Probleme (z.B. lässt die Leistungsfähigkeit des Herzens ab)
  • Diabetes mellitus
  • Gelenkerkrankungen (z.B. Knorpelschäden)
  • Organerkrankungen (z.B. Fettleber)
  • Verdauungsprobleme (durch fehlende Bewegung)
  • Störung des Immunsystems
  • Überlastung von Bändern und Sehnen
  • Rückgang der Muskulatur durch fehlende Bewegung + Mehrbelastung des Skeletts durch fehlende Muskeln
  • Erhöhtes Risiko für Tumore und Herzerkrankungen
  • Erhöhtes Risiko für Komplikationen bei Narkosen

Was kann man tun?

Den Kalorienbedarf ermitteln

Wie sagt man dem Speck nun am besten den Kampf an? Ein Stück weiter oben habe ich ja bereits einiges über die Rolle von Futter erzählt und von der Wichtigkeit der Balance zwischen Energiebedarf und Energieverbrauch. Es gilt also als erstes den tatsächlichen Energiebedarf zu ermitteln. Dafür habe ich dir mal einen Rechner heraus gesucht. Der Hundekalorienrechner von Furryfit.de Dort gibst du das Idealgewicht deines Hundes ein und es öffnet sich eine Tabelle. In dieser Tabelle werden dann die verschiedenen möglichen Komponenten aufgezeigt mit dem jeweiligen Kalorienbedarf für einen Hund in dieser Gewichtsklasse.

Ich nehme einmal Shira als Beispiel. Shiras Idealgewicht liegt bei 20 kg. Sie ist nicht kastriert, wird nicht im Sport geführt, ist nicht trächtig und noch ein junger Hund. Sie wird normal bewegt. Sie hätte also einen Kalorienbedarf von 1206 kcal pro Tag. So kannst du dort schauen.

Es gibt dazu aber auch eine Formel. Man rechnet:

(Körpergewicht in Kg x 30) + 70 = RER

RER steht hierbei für „resting energy requirement“ und entspricht dem Kalorienbedarf eines still liegenden Hundes. Dieser Wert wird als Grundlage für die weitere Futtereinstellung genutzt. Je nach gegeben Komponenten wird dieser Wert noch multipliziert. Eine Übersicht dazu findet ihr auch hier auf furryfit.de.

Das Futter anpassen

Wenn du den eigentlichen Bedarf deines Lieblings ermittelt hast, kannst du seine Futterration entsprechend anpassen. Es ensteht durch die reduzierte Menge ein kleines Defizit, sodass der Körper an die angefutterten Reserven zu gehen. Der Speck wird also langsam abgebaut. Aber auch hier gilt natürlich: Der Hund muss immer mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Am besten schaust du nach einem Futter von dem du eine satt machende Menge füttern kannst, ohne zu viele Kalorien zuzuführen. Das heißt, es sollte ein gesunder Teil an Kohlenhydraten vorhanden sein. So muss dein Liebling nicht hungern und speckt trotzdem ab. Auch auf Leckerlie muss er nicht verzichten. Rechne das Ganze einfach an seine Tagesration an und verwende naturbelassene Produkte. Zum Beispiel pur getrocknetes Fleisch.

Sport

Natürlich ist auch Sport zum abnehmen ein wichtiger Faktor. Hier solltest du aber unbedingt darauf achten, dass das Programm langsam startet und deinen Vierbeiner nicht überfordert. Man kann von einem schwer überwichtigen Hund nicht erwarten eine 20 km Fahrradtour aus dem nichts zu machen. Fangt langsam an. Geht gemeinsam joggen aber nur so weit, wie es deiner Fellnase Spaß macht. Es ist nicht Sinn und Zweck der Sache ihn an der Leine hinterher zu ziehen

Joggen, Fahrrad fahren, auch einfaches Spazieren gehen ist schon ein guter Anfang. Ihr steigert einfach langsam euer Pensum. Entscheidend ist hier die Regelmäßigkeit. Es bringt nichts eine Woche lang durch zu ziehen und dann zwei Wochen wieder gar nichts zu machen. Lieber jeden Tag ein bisschen.

Was ich besonders schwer übergewichtigen Hunden empfehle ist schwimmen. Im Wasser werden die Gelenke deutlich weniger belastet als an Land, was die Sporteinheit leichter und angenehmer macht. Und natürlich die Knochen schont. Gerade jetzt zum Sommer hin ist das gut machbar, wenn du einen See oder ähnliches in der Nähe hast.

Die lieben Ausreden

Zum Schluss möchte ich noch ganz kurz ein paar allgemeine Worte sagen und auch auf die lieben Ausreden eingehen, die man des öfteren zu hören bekommt. Beispielsweise „Aber der ist schon immer so.“ oder „Der hat schwere Knochen!“

Das Ding ist, die Ausreden bringen dem Hund überhaupt nichts. Es sollte wirklich jeder im Sinne seines Haustieres auf ein gesundes Gewicht achten. All die Probleme sind vermeidbar und auch wenn man es nur gut meint mit dem vielen Futter und den Leckereien. Es schadet dem Hund mehr als alles andere.

Darum möchte ich dir ans Herz legen in Zukunft gut darauf zu achten Übergewicht zu vermeiden, wenn du es nicht schon tust. Du bewahrst deinem Hund so hohe Lebensqualität, denn was gibt es für unsere Fellnasen schöneres als ausgiebige Spaziergänge und herumtollen?

(2) Kommentare

  1. […] hatte ich für heute passend zum Übergewicht letzte Woche ein anderes Thema geplant, doch die Corona-Krise nimmt zunehmend größeren Einfluss […]

  2. […] Belastung. Eine trächtige Hündin hat einen anderen Bedarf, als ein Senior, wie ich bereits im Beitrag zum Thema Übergewicht erklärt […]

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